
KERKER DER GEGENWART
Im Geschehen unaufhaltsam
Wie Wellen
Die an einer scharfkantigen Klippe
Aufschlagen
Platzen
Wie wuchtig ausgeführte Peitschenhiebe
Dem Bewusstsein ausgeliefert
Kein Spiegel
Kein Tunnel
Eine Zelle
Mit seinem Namen
Ohne Türe und ohne Fenster
Das Ich
Ausweglos an diese eine Zelle gebunden
Im Kerker der Gegenwart
Ohne Entscheidungsfreiheit
Ein Unterwasserverließ
Gegen das weit entfernt die Wellen anschlagen
Gedemütigt von Menschen ohne Demut
Gekrönt und verhöhnt
Verspottet und zum Tode
Verurteilt
Allein gelassen, wie er es von seine Lieben verlangte
Um zu sich zu finden
In den letzten Momenten einer geknechteten Welt
In der versklavte Menschen krepieren
Ohne dass ihr Dasein in irgendjemanden eine Erinnerung hinterlässt
Da sie Unbekannte sind
Namenlose
Die dem Unmenschlichen ausgeliefert sind
Er hat sich entschlossen
Seine Seele zu befreien
Aus der Knechtschaft
In der sie wie ein Schwert
In den Fels gestoßen
Verharrt und erstarrt war
Er zieht das Schwert
In dem sich sein Seelenlicht spiegelt
Die Sonne seines Herzens
Das Licht strahlt aus ihm heraus
Es strömt durch die kleinsten Ritzen dieses Kerkers
Ins Freie, in die Freiheit
Sie ist wie wunderbare Musik
Deren Töne sanft wie Tränen
Vom Himmel tropfen
Ihn forttragen über die Weiten dieser Welt
Über die Flüsse, Ströme, Ozeane
Wo er als gewaltige Welle wiederaufersteht
Gegenwärtig ist
In diesem Lebenselixier
In jeder Zelle voller Energie
Die Dynamik gibt, die eine Bewegung auslöst
In jedem Menschen mit dem Glauben
An die Freiheit jedes Einzelnen
(c) dergrund